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Gutenberg 23.5: Komponenten-Deprecation – was Plugin-Autoren jetzt tun müssen

Zehn Kernkomponenten in @wordpress/components sind hard-deprecated, React 19 ist testbar – so handeln Plugin-Entwickler vor WordPress 7.1 richtig.

Zehn Kernkomponenten in @wordpress/components sind hard-deprecated, React 19 ist testbar – so handeln Plugin-Entwickler vor WordPress 7.1 richtig.

Die WordPress-Entwickler-Community beschäftigt sich in diesen Wochen intensiv mit zwei eng verwandten Veränderungen: einer koordinierten Deprecation-Welle quer durch @wordpress/components in Gutenberg 23.5 sowie einem experimentellen React-19-Flag in Gutenberg 23.4, das Entwicklern erstmals eine sichere Testumgebung bietet. Beide Änderungen laufen auf dasselbe Ziel zu – ein sauberes, zukunftsfestes Fundament für WordPress 7.1, das am 19. August 2026 erscheinen soll. Wer Plugin- oder Theme-Code pflegt, sollte jetzt handeln, nicht erst nach dem Release.

Was ist die __next40pxDefaultSize-Hard-Deprecation?

Vor einigen Jahren führte das WordPress-Core-Team die Prop __next40pxDefaultSize in vielen Formular-Komponenten ein. Der Hintergrund: Die Standardgröße der Steuerelemente sollte von 36 auf 40 Pixel angehoben werden – ein Schritt, der die Barrierefreiheit verbessert und das visuelle Design vereinheitlicht. Um bestehende Plugin-UIs nicht über Nacht zu zerstören, gab es einen Opt-in: Wer die 40-Pixel-Größe wollte, übergab __next40pxDefaultSize={true}, alle anderen behielten vorerst die alte Größe.

Dieses Übergangsfenster schließt sich nun. Mit Gutenberg 23.5, das direkt in WordPress 7.1 eingeflossen ist, wurde die Prop in zehn Kernkomponenten hard-deprecated:

  • TextControl
  • BoxControl
  • BorderControl
  • FontSizePicker
  • RangeControl
  • ComboboxControl
  • ToggleGroupControl
  • UnitControl
  • FormTokenField
  • CustomSelectControl

„Hard-deprecated” bedeutet in diesem Kontext: Die Prop wird nicht aus der TypeScript-Typdefinition entfernt – vorhandener Code kompiliert weiterhin ohne Fehler. Aber der Laufzeit-Handler ist verschwunden. Die 40-Pixel-Größe ist nun fest in den Standardstilen verankert, und die Prop ist ein No-op. Übergibt Ihr Plugin-Code __next40pxDefaultSize={true}, passiert nichts Schlimmes – außer dass eine Deprecation-Warnung in der Browserkonsole erscheint. Verlässt sich Ihr UI hingegen auf die alte 36-Pixel-Standardgröße, weil die Prop bewusst weggelassen wurde, kann das Layout nun unerwartet größer wirken.

Welche Auswirkungen hat das auf bestehende Plugins?

Für die meisten Plugins sind die praktischen Folgen überschaubar, aber sie variieren je nach Situation:

Szenario 1 – Sie übergeben __next40pxDefaultSize={true}: Alles funktioniert weiterhin korrekt. Die Prop ist ein No-op, der visuelle Output bleibt identisch. Sie können die Prop im nächsten Release sauber entfernen; ein guter Zeitpunkt ist, wenn Sie das Minimum-WordPress auf 7.1 anheben.

Szenario 2 – Sie übergeben die Prop nicht und haben kein eigenes CSS für die Komponentenhöhe: Ihre UI wird ab WordPress 7.1 um 4 Pixel höher dargestellt. Prüfen Sie Ihre Plugin-Einstellungsseiten, Block-Sidebars und Inspector-Controls in einem Staging-System mit WordPress 7.1 Beta 1 (seit 15. Juli verfügbar) – in den meisten Fällen ist kein Layout-Bruch zu erwarten, aber es ist besser, es selbst zu sehen als sich auf Nutzerfeedback zu verlassen.

Szenario 3 – Sie übergeben __next40pxDefaultSize={false}: Das war die explizite Entscheidung für die alte Größe. Diese Prop-Kombination ist nun vollständig wirkungslos; überprüfen Sie, ob das ursprüngliche Layout-Ziel noch anderweitig erreicht wird.

Die offizielle GitHub-Diskussion zum Thema dokumentiert den gesamten Migrationspfad seit der ersten Soft-Deprecation und ist eine gute Referenz, wenn Sie den Kontext vertiefen möchten.

React 19 jetzt testen – bevor es Pflicht wird

Parallel zur Komponenten-Deprecation bringt Gutenberg 23.4 ein experimentelles Feature-Flag für React 19. Aktiviert wird es im WordPress-Backend unter /wp-admin/admin.php?page=experiments-wp-admin – dort findet sich der Schalter „React 19”. Nach der Aktivierung tauscht Gutenberg zur Laufzeit die React-18-Bundles gegen React-19-Bundles aus und simuliert damit exakt die Situation, die Plugin-Entwickler erwartet, sobald WordPress den Sprung macht.

Warum ist das wichtig? Im Juni 2026 hatte Gutenberg 23.3 React 19 bereits scharfgestellt – mit fatalen Folgen: Zahlreiche Plugins crashten auf dem neuen Runtime. Ursache war eine inkompatible Element-Shape zwischen React 18 und 19; Plugins, die ihr eigenes react/jsx-runtime-Bundle mitbrachten, produzierten Elemente, die React 19 aktiv ablehnte. Das Core-Team rollte die Änderung innerhalb von zwei Tagen zurück und entwickelte eine Kompatibilitätslösung.

Mit dem experimentellen Flag können Plugin-Autoren jetzt selbst testen, ob ihr Code betroffen ist, ohne eine Produktivsite zu riskieren. Die Kompatibilitäts-Polyfills loggen Konsolenwarnungen, sobald ein Plugin auf eine entfernte Legacy-Interna stößt. Konkret sollten Sie das Flag aktivieren, wenn Ihr Plugin:

  • kompiliertes JSX ausliefert,
  • @wordpress/element direkt importiert,
  • oder Editor-Interna wie wp.blocks, wp.editor oder wp.components direkt aufruft.

Das Plugin-Check-Tool von WordPress.org hat bereits ein entsprechendes Issue für automatische React-19-Kompatibilitätsprüfungen – es lohnt sich, dieses Issue zu verfolgen, da eine automatisierte Warnung im Plugin-Check-Workflow die Hürde für Community-Plugins erheblich senken würde.

Zeitplan: Wann müssen Sie handeln?

Die Zeitfenster sind eng, aber machbar:

  • Jetzt bis 15. Juli (bereits laufend): WordPress 7.1 Beta 1 ist verfügbar. Testen Sie Ihre Plugins auf einem Staging-System gegen die Beta, aktivieren Sie das React-19-Flag und prüfen Sie die Konsolenausgabe.
  • Ab ca. 22. Juli: Weitere wöchentliche Betas folgen. Behobene Bugs sollten jetzt als Fixes eingereicht werden, nicht erst im RC-Fenster.
  • 5. August: Release Candidate 1 – an diesem Punkt sollten alle Plugin-Anpassungen bereits gemergt und veröffentlicht sein.
  • 19. August: Finales Release von WordPress 7.1. Nach diesem Datum werden veraltete Prop-Übergaben auf allen Updates live sichtbar sein.

Was tun, wenn Sie keinen eigenen Plugin-Code pflegen?

Für Website-Betreiber ohne eigene Entwicklungskapazitäten sieht die Lage entspannter aus: Die Änderungen betreffen ausschließlich den Admin-Bereich und Plugin-UIs, nicht den Frontend-Bereich Ihrer Website. Trotzdem empfehlen wir, vor dem 7.1-Update alle aktiven Plugins auf Kompatibilitätshinweise der jeweiligen Entwickler zu prüfen und – wie immer – vorab ein vollständiges Backup zu erstellen.

Wer regelmäßig WordPress-Updates betreut, kennt das Muster: Die eigentliche Arbeit liegt nicht im Einspielen des Updates, sondern in der Vorbereitung. Genau hier unterstützen wir als WordPress-Agentur aus Frankfurt unsere Kunden: vom Compatibility-Check über das Staging-Testing bis zur sicheren Livestellung nach jedem Major-Release.

Fazit: Jetzt testen, später ruhig schlafen

Die Deprecation-Welle in Gutenberg 23.5 ist kein dramatischer Einschnitt, aber ein klares Signal: Das Core-Team räumt auf und erwartet, dass Plugin-Autoren mitziehen. Die __next40pxDefaultSize-Prop hat ihre Schuldigkeit getan; wer sie noch in seinem Code hat, sollte sie in Ruhe entfernen. Wichtiger ist der React-19-Kompatibilitätstest – dieser hat das Potenzial, Plugin-UIs auf Produktivsites tatsächlich zu brechen, wenn das nächste Mal kein experimentelles Flag schützt.

Beta 1 läuft, das Experiment-Flag ist aktiv: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt.

Quellen

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